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Spielerübersicht | Ludwig Hussak
     

Ludwig Hussak

  Ludwig; Hussak;
 
Position:
Stürmer
     
Geburtsdatum   Grösse
31.07.1883, verstorben am 05.07.1965   -- cm
     
Geburtsort   Gewicht
  -- kg
     
Nationalität   Homepage
Österreich   ---
     
Nationalteamspieler von   Länderspiele / Tore
Österreich   14 / 5
     
Debüt im Nationalteam    
09.04.1905 gegen Ungarn - Resultat: 0:0
     
Beschreibung    
Ludwig "Luigi" Hussak begann seine Fußballkarriere bei den Cricketern, wo er bald zu eine der stärksten Stürmern des Vereins avancierte. Bereits am 7. April 1904 wurde er in die Verbandsmannschaft für das Spiel gegen die englische Amateurmannschaft Corinthians berufen, am 9. April 1905 spielte er schließlich erstmals für die Nationalmannschaft gegen Ungarn. Am 29. Oktober 1910 schloss Ludwig Hussak zahlreicher seiner Spielkollegen bei den Cricketern an und gründete auf Grund von Streitigkeiten mit dem alten Verein mit ihnen den Wiener Amateur-Sportverein - der heutigen Austria Wien. Ludwig Hussak war zum Kapitän der Amateure ernannt, schoss zudem sogleich das erste Tor für den neuen Verein im Spiel gegen die Rudolfsheimer Sportvereinigung (1:1). In der Meisterschaft blieb der von Hussak angeführte Verein allerdings noch chancenlos. Der Stürmer begleitete dennoch die Nationalmannschaft zu den Olympischen Spielen noch Stockholm 1912, wo er mit dem Team den 6. Platz erreichte und auch ein Tor beim 5:1-Sieg über Italien dazu betrug. Die Karriere des ersten Austria-Kapitäns ende abrupt mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Ludwig Hussak geriet in sibirische Kriegsgefangenschaft, von der er erst wieder 1921 zurückkehrte.

Ludwig Hussak wurde zum 10jährigen Jubiläum (1921) der Amateure zum Ehrenkapitän ernannt, eine Ehrung, die erst wieder 40 Jahre später Walter Nausch zuteil wurde. Die Stadt Wien ehrte den Stürmer zudem mit der Vergebung des Sportehrenzeichens am 15. Februar 1954 an "einen der prominentesten und populärsten Fußballer der Frühzeit dieses Sports in Wien". 1959 wurde ihm das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich verliehen.

Vereine:
Vienna Cricket and Football-Club (1901 - 1911), Wiener Amateur SV (1911 - 1914)



Artikel anlässlich seines 75. Geburtstages aus der Arbeiter-Zeitung
Wien, Freitag, 1. August 1958 (Nr. 176)

Ludwig Hussak – der letzte Amateur

Seitdem Melchior nicht mehr im Lande ist, und das sind jetzt schon ein paar Jahre, geht es mit dem österreichischen Fußballsport bergab, weil er keine Flügelstürmer von Rang mehr besitzt. Aber so viele Ländermatches dieser Melchior auch gewonnen hat, so rassig seine Sturmläufe waren, so urwüchsig primitiv er mit der elegantesten Fußballweisheit seiner Gegner fertig zu werden vermochte, so war er doch nur der Epigone eines Größeren, der Nachfahre jenes Ludwig Hussak, der soeben sein 75. Lebensjahr beendet hat.
Hussak gehört noch in die Urzeit des Fußballs, damals, als Amateurmannschaften Großbritanniens in Wien mit zweistelligen Torzahlen gewinnen und das Resultat bereits vor Beginn jedes Spiels voraussagen konnten. Aber auf diesen Rechtsaußen Hussak wurden die Engländer dennoch sofort aufmerksam. Seine Geradlinigkeit, Schnelligkeit, Wucht und Schießkraft nötigte auch ihnen Respekt ab. Später, als Österreich seine britische Lektion gelernt hatte und in wenigen Jahren in Technik und Brillanz den Lehrmeister erreichte, bewies Hussak erst recht, dass Schönheit begeistert, aber ohne Kraft nicht siegen kann. Unzählige Spiele riss Hussak aus dem Feuer, der Mann, der keine Mätzchen und Effekthaschereien kannte, der fair und ohne Gewaltsamkeit, fast ohne jedes Rempeln an seinen Bewachern vorbeikam und dann wie die Windsbraut dahinbrauste, unaufhaltsam bis ins Goal.
Die Cricketer und dann die Amateure (heute Austria) waren sein Verein, und – ob schwarz-blau oder violett – immer wieder war es Hussak, der sogar Gegner, die seine Mannschaft an Klasse überragten, durch seine berühmten Torläufe überrumpelte. Wie oft musste der damals schier unschlagbare WAC dran glauben, wie oft biss sich die Mannschaft mit dem vornehmsten Stil, die Prager Slavia, oder der gefürchtete temperamentvolle Ferencvaros aus Budapest nicht so sehr an den Cricketern als vielmehr an Hussak, an dem einen Hussak die Zähne aus. Natürlich war Hussak noch kein Profi, sondern spielte fast zwanzig Jahre lang, auch noch als er 1920 aus russischer Kriegsgefangenschaft heimkehrte, aus reiner Liebe zum Sport. Selbst die ersten Ansätze der Vergeschäftlichung des Sports, den sogenannten Nachtmahl-Amateurismus hat er nicht mitgemacht.
Wie ein Denkmal aus besseren Zeiten ragt Ludwig Hussak in unsere sportkorrumpierte Gegenwart hinein. Der letzte echte Amateur, der noch unter uns ist. Zu seinem 75. Geburtstag sei ihm gesagt, dass Torruhm vergänglich ist, dass aber das Beispiel eines vorbildlichen Sportlebens nicht vergessen wird.



 
 
 
Letztes Update am: 17.11.2013

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