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Interview mit
Helmut Göltl am 21.
November 2005
Warum stehst du bei der
Generalversammlung am 27.11.2005 für keine Funktion mehr zur Verfügung ?
Helmut Göltl: Nach den
Kritiken bei der letzten Generalversammlung im November des Vorjahres hätte
mir klar sein müssen, dass in Mönchhof keine Akzeptanz für einen Co-Trainer
und sportlichen Leiter, der sämtliche Agenden neben denen des Trainers
abdeckt, besteht. Ich wollte jedoch unbedingt weitermachen. Musste aber im
Frühjahr 2005 einsehen, dass diese Akzeptanz auch bei einigen Funktionären
nicht mehr gegeben war. Da ich ein ehrgeiziger Mensch bin und
Vereinbarungen oder Zusagen, die ich treffe, prinzipiell einhalte, stand ich,
auch aus Loyalität zum derzeitigen Obmann, von Juli 2005 bis November 2005
unentgeltlich zur Verfügung. Ich muss sagen, dass ich dies auch deshalb tat,
weil eine Funktion als Sektionsleiter, wo ich vielleicht einmal kurz beim
Training und am Sonntag beim Spiel anwesend gewesen wäre, mich absolut nicht
interessierte. Nun ist diese Zeit vorbei und ich habe meine Zusagen
eingehalten und kann erhobenen Hauptes gehen.
Wie schaut dein Rückblick auf die letzten
zweieinhalb Jahre aus?
Helmut Göltl: Außer dem ersten Katastrophenhalbjahr (Herbstsaison
2003), wo wir im Frühjahr 2004 noch die Kurve gekratzt haben, durchwegs
positiv. Auf die Gründe für die schlechte erste Halbsaison möchte ich
genauer eingehen.
Erstens war das meiner Meinung nach nur eine Fortsetzung der Frühjahrssaison
2003, wo wir, ich weiß nicht wie viele das wissen, mit zehn Punkten
schlechteste Frühjahrsmannschaft waren. Beim Training unter dem damaligen
Trainer Rudi Vyskoc waren teilweise sieben bis zehn Mann anwesend. Ich weiß
das deshalb so genau, weil ich damals als U12 und U16 Trainer tätig war.
Zweitens waren bei Antritt des neuen Funktionärsteams gerade noch zehn Tage
Zeit, um die vorhandenen Abgänge zu kompensieren. Aus Zeitdruck wurden
falsche Personalentscheidungen getroffen, z. B. wurde ein Radoslav Baran
verpflichtet, der in Neusiedl aus disziplinären Gründen entlassen wurde. Zur
Verpflichtung des Trainer Manfred Schmid ist zu sagen, dass er fachlich
äußerst kompetent und charakterlich voll in Ordnung war. Sein Manko war,
dass er aufgrund seines Jobs in der Frank Stronach Akademie keine Zeit hatte,
die Funktion eines Trainer voll auszufüllen. Es war aber am Platz auch nicht
ersichtlich, dass er ein Ex-Bundesligaspieler ist.
Nach der Verpflichtung von Alois Michlits hat der FC-Mönchhof eine
kontinuierliche Aufwärtsentwicklung genommen, da braucht man nicht viel zu
sagen, es reicht, wenn man sich die Statistiken anschaut.
Wie beurteilst du die
Arbeit von Trainer Michlits?
Helmut Göltl: Ich glaube da
bin ich ein bisschen befangen, denn wir haben eine hohe Übereinstimmung über
den Ablauf bestimmter Dinge im Amateurfußball. Was aber nicht heißt, dass
wir immer einer Meinung waren. War dies der Fall, wurden solche Dinge
durchdiskutiert und dann vom Trainer entschieden, da er schließlich auch den
Kopf hinhalten muss, wenn es nicht läuft. Über den Trainer kann ich nur
sagen, dass er fachlich 1a ist und einen unheimlich guten Draht zur
Mannschaft hat. Zwei Dinge haben mir schon getaugt, bei denen müsste ich
lügen, wenn ich sagen würde, da habe ich mir nichts abgeschaut.
Erstens hat er es wie kein anderer verstanden, den Motivationslevel der
Mannschaft hochzuhalten, da er der Mannschaft immer das Gefühl gegeben hat,
100% ehrlich zu sein und in der Kritik nie persönlich wurde. Meiner Meinung
nach ist es überhaupt das Wichtigste im Amateurfußball, eine Mannschaft bei
Laune zu halten.
Der zweite Punkt ist, dass er ein voller Anhänger der Spielformen im
Trainingsbetrieb ist. Mit dieser Methode hat er die Mannschaft überrumpelt.
Er hat in diese Spielformen sämtliche Schwerpunkte (Ausdauer, Schnelligkeit, Schnelligkeitsausdauer) verpackt und die Spieler sind
Belastungen gegangen, die in normaler Übungsform nicht möglich gewesen wären.
Der nächste Trainer nach Michlits wird es in Mönchhof sehr schwer haben.
Wie wurden die
slowakischen Spieler zum FCM gelotst, bedarf es da Verbindungen zu
Spielervermittlern?
Helmut Göltl: Sicher sind eine
gewisse Flexibilität und Connections zu Spielervermittlern notwendig. Ich
habe da sicher eine Vielzahl an Verbindungen zu Spielervermittlern, wo ein
jeder seinen Bereich (Slowakei, Ungarn, Wiener Liga etc.) abdeckt. Bei den
slowakischen Spielern informiere ich mich grundsätzlich über die diversen
Internetseiten, wo ich mir vor allem die Torschützenlisten und die
Mannschaftsaufstellungen der 1. bis 3. Liga anschaue. Die Spieler Mario
Prekop, Martin Kapusta, Peter Bognar wurden durch meine Vermittlung über
Roman Vojtek, zu dem ich einen ausgezeichneten Kontakt habe und der für mich
mittlerweile ein guter Freund ist, vom FC Mönchhof verpflichtet.
Richard Urvay war eine Last-Minute Verpflichtung. Der Trainer und ich
waren nach den Abgängen von Harald Weiss und Christian Wegleitner auf der
Suche nach Ersatz. Wir fanden weder einen Spieler aus dem Bezirk, noch aus
der Wiener Liga, wo wir der Meinung waren, dass dieser uns weiterhelfen
könnte. Durch meine Kontakte konnte ich über Herrn Mang, den ehemaligen
Obmann des SV Horn, von dem ich wusste, dass er eine Fußballschule geleitet
hat und daher eine Menge an gleichgestellten slowakischen Spielern kennt,
eine Verbindung herstellen. Tatsächlich gab er uns den entscheidenden Tipp.
Im Nachhinein betrachtet, kann ich behaupten, dass jeder Transfer, in
Absprache mit dem Trainer (auch die § 9 Wechsel Helm und Wegleitner), über
mich gelaufen ist. Dass diese Transfers mit viel Zeitaufwand (Beobachtung,
Kontakte knüpfen, Verträge aushandeln) verbunden waren und teilweise bis in
die Weihnachtszeit gelaufen sind (Peter Bognar wurde am 11.12.2004 beim
Spiel Wallern gegen Illmitz verpflichtet) ist den wenigsten bekannt.
Der momentane Obmann des FCM sagt, dass er wieder
in das zweite Glied zurück will. Warum ist es so schwierig, einen Obmann zu
finden, bzw. welche Eigenschaften erwartest du von einem Obmann und wen
hältst du für geeignet in Mönchhof, diese Rolle zu übernehmen?
Helmut Göltl: Das Wort eines Obmannes im Verein sollte Gewicht haben,
daher ist es erforderlich, dass dieser auftretende Probleme im Verein zuerst
analysiert und sich erst dann zu Wort meldet. Weiters sollte er schon lange
mit dem Verein verbunden sein und sich bewusst sein, dass diese Funktion
einen gewissen Zeit- und Arbeitsaufwand erfordert. Der jetzige Obmann hat
diesen Anforderungen entsprochen und sein Amt engagiert ausgeführt.
Beim FC Mönchhof gibt es neben dem derzeitigen Obmann eine Menge Leute, die
für das Obmann-Amt in Frage kommen würden, z.B. Gartner Hannes, Huber Pepi,
Regner Fredi, Tschanek Hans, Karner Walter, Holzapfel Stefan, um nur einige
zu nennen. Dass mein Favorit der Gartner Hannes, ist brauche ich wohl nicht
zu sagen. Aber wer tut sich heutzutage schon eine zeitaufwendige,
ehrenamtliche Funktion an?
Auf der letzten Generalversammlung musstest du von
ehemaligen Mitspielern wohl am meisten Kritik einstecken. Wie kannst du
damit umgehen?
Helmut Göltl: Mit Kritik kann ich sehr wohl umgehen, solange sie
konstruktiv und sachlich ist, aber was ich da hören musste, war teilweise
unter der Gürtellinie. Aber ich habe das schon vergessen. Ich will nur
sagen, dass ich vor der Arbeit dieser Leute für den FC-Mönchhof großen
Respekt habe und ich für den Verein nie soviel leisten werde, wie sie bereits
geleistet haben. Man braucht sich ja nur die Sportanlage des FCM ansehen.
Mir ist nur unerklärlich, warum sie in den letzten zweieinhalb Jahren
eigentlich gegen den Verein gearbeitet haben? Für mich gilt, die Farben des
FC-Mönchhof werden immer meine Farben sein, egal was passiert, ich werde
versuchen, die Leute, die im Verein tätig sind, zu unterstützen.
Wie ist die aktuelle
Kadersituation in Mönchhof bzw. mit welchen einheimischen Spielern ist in
Zukunft zu rechnen?
Helmut Göltl: Die
Kadersituation in Mönchhof wäre ganz gut, wenn zum aktuellen Kader die
einheimischen Hoffnungsträger voll mitgezogen hätten. Unter "einheimische
Hoffnungsträger" verstehe ich die Spieler Horvath Werner, Wasserscheidt
Michael, Rapp Thomas und Kirschner Erich, die aus verschiedensten Gründen
dem Verein nicht zur Verfügung stehen. Wobei ich mir aber vom Horvath Werner
erwarte, dass er in der Frühjahrssaison zeigt, was in ihm steckt. Unter "voll
mitgezogen" verstehe ich, dass sie sich verlässlich im Trainingsbetrieb über
einen längeren Zeitraum bewähren. Hier könnten sie vor allem von den
arrivierten Spielern wie Kast, Reich und Helm etwas lernen. Wären die vier
Mann noch dabei, hätte der FC-Mönchhof einen 18 Mann-Kader und durchaus das
Potential, in der Burgenländischen Landesliga zu spielen. Das ist und war
auch immer mein Ziel. Aber wenn man sich so im Bezirk umhört, ist es
heutzutage normal, dass junge Spieler den Weg des geringsten Widerstandes
gehen und abspringen, wenn es schwieriger wird und es notwendig ist, die
Zähne zusammenzubeißen.
Vom derzeitigen Kader freut es mich, dass der Schwarz Christian eine absolut
gute Entwicklung genommen hat und der Greiner Gerhard durchaus noch
vorhandenes Potential besitzt, wenn er über einen längeren Zeitraum im
Trainingsbetrieb steht.
Traurig sieht es mit der Anzahl der einheimischen Nachwuchsspieler aus, die
über kurz oder lang in die Kampfmannschaft aufrücken können. Vom Jahrgang
1988 gibt es nur den Kummer Manuel, von 1989 den Huber Bernhard und vom
Jahrgang 1990 den Worring Thomas, die allesamt schon in der
Reservemannschaft spielen. Vom Jahrgang 1991 haben wir zwei Spieler, die in
der U16 in Gols mitspielen, dass sind der Wasserscheidt Berndt und der Graf
Stefan. Danach warten wir bereits auf drei bis vier Spieler, die momentan
zwölf und dreizehn Jahre alt sind. Ich sag mal so, es werden sehr dürre
Jahre auf den FCM punkto einheimischer Nachwuchsspieler zukommen.
Wie sieht deine
weitere Zukunft aus ?
Helmut Göltl: Ich werde vom 3.
bis 17. April 2006 den zweiten Teil der UEFA-B-Lizenz in Lindabrunn
absolvieren und werde mir im Frühjahr die eine oder andere Trainingseinheit
von arrivierten Trainern im Bezirk anschauen bzw. natürlich auch einige
Spiele in der Frühjahrssaison sehen. Ich möchte weiterhin mit Fußball zu tun
haben.
Ich möchte mich bei allen Spielern und beim Trainer für die gute
Zusammenarbeit bedanken. Und wünsche euch eine gute Frühjahrssaison.
Danke für das
Interview und Danke für Deine großartige Arbeit beim FC Mönchhof!!
© Franz E.
Frania am 21.11.2005
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