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Betreuerübersicht | Norbert Lopper
     

Norbert Lopper

   
 
 
Geburtsdatum   Homepage
04.07.1919, verstorben am 18.04.2015   Keine
     
Geburtsort   Nationalität
Wien-Brigittenau   Österreich
     
Beschreibung    
LegendĂ€rer Austria-SekretĂ€r von 1956 bis 1983. Lopper war als Brigittenauer eigentlich Admira-Fan. Entdeckte die Liebe zur Austria als 16jĂ€hriger als Schlachtenbummler zu einem Mitropacupspiel 1936 nach Budapest (Dosza Ujpest). Im Krieg spielte er u.a. bei Maccabi BrĂŒssel. Nach dem Krieg sind Wiener Klubs nach Belgien gekommen und so hatte er wieder Kontakt zum österreichischen Fußball bekommen. Er sollte sich auf Bitte von Manager Ukraincik um die Österreichischen Klubs kĂŒmmern. Damit hatte seine TĂ€tigkeit im Fußball begonnen.

1952 ist er dann nach Wien zurĂŒckgekehrt und grĂŒndete 1954 mit einigen AnhĂ€ngern den Austria AnhĂ€ngerklub, dem er auch ehrenamtlich als PrĂ€sident vorstand. 1956 wurde auf Wunsch der Austria der AnhĂ€ngerklub in den Stammklub integriert. Der AnhĂ€ngerklub unterstĂŒtzte die Austria damals finanziell und war auch Sponsor. Unter PrĂ€sident Dr. Eckerl wurde Lopper 1956 zum Nachfolger des Austria SekretĂ€rs HierlĂ€nder ernannt. Lopper hatte Spieler wie Papproth, Kunz, Morales und Martinez durch seine Kontakte zur Austria gelotst.

1983 ging Norbert Lopper in den wohlverdienten Ruhestand. Nachfolger auf seinem Posten wurden gleich zwei Personen: SekretĂ€r MĂŒller und GeschĂ€ftsstellenleiter Novotny.

Vereine als aktiver Spieler:
FC Sparta, SC Hakoah (Jugend und Reserve), Etoile, Maccabi BrĂŒssel






Norbert Lopper im Ballesterer-Interview im Sommer 2007

»Wir haben GlĂŒck gehabt, so ein GlĂŒck.«

ZEITZEUGE Norbert Lopper war fast drei Jahrzehnte lang KlubsekretĂ€r der Wiener Austria und die rechte Hand des legendĂ€ren Joschi Walter. Doch nur Wenige wissen von seinen schrecklichen Jugenderlebnissen, die gezeichnet waren von Flucht, Haft und Überleben im KZ. Philipp Glanner und Georg Spitaler erzĂ€hlte er aus seinem Leben.

Fußball im Augarten

Norbert Lopper wurde als Kind jĂŒdischer Eltern 1919 in Wien-Brigittenau geboren. Er verbrachte seine Jugend meistens im GrĂ€tzel und im Augarten. Dort kam er rasch mit dem Fußball in BerĂŒhrung. Er spielte fĂŒr Lokalvereine, wie den FC Sparta, bis er schließlich 1936 in die Jugendmannschaft des SC Hakoah wechselte, wo er ein Jahr spĂ€ter in der Reserve debĂŒtierte. Der junge Lopper spielte bei der zionistisch geprĂ€gten Hakoah und hatte ein Faible fĂŒr die Austria – eine eher untypische Konstellation, die er unter anderem mit dem Schriftsteller Friedrich Torberg teilte: Zwar waren beide Vereine jĂŒdisch geprĂ€gt, rivalisierten aber auch gerade deswegen miteinander. »Der Unterschied zur Austria lag in den jĂŒdischen Spielern. Bei der Austria waren damals nur FunktionĂ€re Juden«, erklĂ€rt Lopper.

Flucht vor den Nazis

1938 machte das Politikgeschehen einen Strich durch Loppers Fußballkarriere. Der Einmarsch der Deutschen in Österreich zwang ihn zur Flucht nach BrĂŒssel. Dort spielte er zunĂ€chst fĂŒr ein halbes Jahr bei dem Arbeiterverein Etoile (Stern). Er wechselte zu Maccabi BrĂŒssel, die praktisch nur aus FlĂŒchtlingen bestand, wie Lopper berichtet: »Da haben auch viele von Hakoah, Hasmonea und Makkabi gespielt. Wir waren in der normalen Liga, durften aber nicht aufsteigen, weil wir eine Emigrantenmannschaft waren.« 1940 floh er mit der Familie seiner Freundin Ruth nach SĂŒdfrankreich und wurde prompt in das Internierungslager St.Cyprien eingewiesen, da er als »feindlicher AuslĂ€nder« galt. Von dort gelang ihm die Flucht, und man entschloss sich zur RĂŒckkehr in das besetzte BrĂŒssel, da er das Ausmaß der Gefahr nicht richtig einschĂ€tzte. In Belgien feierte er Hochzeit mit seiner Freundin Ruth. Sie mussten zwar den Judenstern tragen, doch hatten sie Arbeit und ein geregeltes Leben, bis das junge Ehepaar eines Tages die Aufforderung erhielt sich am Gare du Nord einzufinden, von wo sie deportiert wurden.

KZ und Todesmarsch

Am 27. August 1942 erreichte der Zug das KZ Auschwitz. Im Konzentrationslager musste Lopper unter kargen Bedingungen zunĂ€chst im Tiefbaukommando schwere körperliche Arbeit verrichten. Durch Zufall kam er nach drei Monaten zu einem AufrĂ€umkommando direkt an der Rampe. Er musste das GepĂ€ck der HĂ€ftlinge sortieren und bekam dadurch genug zu essen und konnte ĂŒberleben. Lopper erlebte hautnah mit, wie die Sonderkommandos die Menschen ins Gas fĂŒhrten. 1944 wurde sein Kommando aufgelöst und er kam durch GlĂŒck in das »Kartoffelkommando«, das vor dem Lagertor Kartoffeln und RĂŒben verladen musste. An seinem ersten Tag bemerkte er dort in einem ankommenden Transport aus Belgien seine Mutter. Er wusste dass die »nicht arbeitsfĂ€higen« Insassen dieses Transports in die Gaskammern gefĂŒhrt wurden. Verzweifelt versuchte er seine Mutter freizubekommen. Er traf einen befreundeten Wiener, der der Kapo seines alten Kommandos war. Der Kapo kannte den SS-Mann, der die Transportliste der KZ-HĂ€ftlinge ĂŒbernahm und schilderte diesem die Situation. Auf der Rampe nahm bereits der berĂŒchtigte Dr. Mengele die Selektion vor. Seine Mutter musste sich in die Reihe der Frauen stellen, deren Tod vorbestimmt war, doch der SS-Mann befahl ihr hinter Mengeles RĂŒcken sich auf die andere Seite zu stellen, die den Weg in das Lager und die Hoffnung auf ein Überleben bedeutete. Doch Loppers Vater, eine seiner zwei Schwestern, seine Frau und seine Schwiegereltern wurden im KZ ermordet.

Norbert Lopper, der im KZ schwer gefoltert wurde, kam im JĂ€nner 1945 auf einen Todesmarsch nach Gleiwitz, danach in andere Lager in Deutschland. Als die alliierten Truppen nĂ€her rĂŒckten, wurden die HĂ€ftlinge in Waggons verfrachtet, die immer wieder unter Fliegerbeschuss gerieten. Lopper lag mit zwei MithĂ€ftlingen unter einem Waggon, der jedoch keinen Schutz bot: »Auf einmal kamen Tiefflieger. Wir beschlossen loszurennen. Plötzlich spĂŒrte ich auf meinem Kopf einen Spritzer. Der eine wurde in den RĂŒcken getroffen und der Andere in den Fuß. Ich bin schnell hinein in den Wald«, schildert Lopper die Flucht. Er wurde von der Wehrmacht aufgegriffen und ins KZ Mauthausen verlegt, wo er mit tausend Anderen im Mai 1945 von den Amerikanern befreit wurde.

RĂŒckkehr nach Wien

Sein Weg fĂŒhrte ihn nun nach Paris, dann nach BrĂŒssel. Hier kam er auch wieder in Kontakt mit dem Fußball. FĂŒr einen bekannten Spielermanager organisierte er die Gastspiele Wiener Teams: »Ich habe die Wacker, die Admira, die Vienna, die Austria und die Rapid betreut – all die ganzen Jahre bis 1952«. Dann folgte er seinen verbliebenen Familienangehörigen zurĂŒck nach Wien, wo er den ersten AnhĂ€ngerklub der Austria mitbegrĂŒndete: »Wir hatten ungefĂ€hr 200 Mitglieder, die auch immer die Spiele besuchten. Unter ihnen waren Prominente wie Friedrich Torberg, der Psychoanalytiker Friedrich Hacker, der Orchesterleiter Johannes Fehring oder auch der Schauspieler Attila Hörbiger. Wir haben Veranstaltungen gemacht und hatten unseren Sitz im Cafe Herrenhof«. 1956 wurde er zum KlubsekretĂ€r der Austria ernannt.

LegendÀrer Austria-SekretÀr

Der Fußball wurde fĂŒr Norbert Lopper zum Mittel, um die schrecklichen Erfahrungen der NS-Zeit zu verdrĂ€ngen: »Wie ich zur Austria gekommen bin, war ich 15, 16 Jahre ganz alleine. Ich habe das ganze Sekretariat ĂŒbernehmen mĂŒssen, ich musste die Spiele veranstalten, habe mich um die Spieler gekĂŒmmert. Ich habe Mannschaften und Spieler geholt. Ich war nur mit dem Fußball beschĂ€ftigt und hatte keine Zeit ĂŒber die fĂŒrchterliche Vergangenheit nachzudenken.«

Als Manager der Austria war er hauptamtlich bis 1983 tĂ€tig. Er hatte großen Anteil an den sportlichen Erfolgen der Veilchen in diesen Jahren. LegendĂ€r sind einige Transfers, die er organisierte. Ausgestattet mit dem »Kicker«, »L’Equipe« und dem »ZĂŒricher Sport« hielt er sich ĂŒber das internationale GeschĂ€ft am Laufenden. Von den Deutschen Horst Paproth und GĂŒnter Kuntz bis zu den Uruguayern Alberto MartĂ­nez und Julio Morales reicht die Liste der Spieler, die er zum Klub holte. Er erinnert sich: »Ich habe einen fußballbegeisterten Cousin in Montevideo gehabt. Wir haben einen guten Linksaußen und einen guten Mittelfeldspieler gesucht, da hat mir mein Cousin eine Presseaussendung geschickt, MartĂ­nez, ein Unter-21-Teamspieler, ist zu haben. Dann habe ich ihn und den Morales durch den Cousin kommen lassen«. FĂŒr insgesamt 69.000 Dollar wechselten die beiden Spieler nach Wien. Unter Norbert Lopper kamen auch der jetzige ÖFB-Teamchef Josef Hickersberger (Ablöse: ein gebrauchter VW-Bus) und Österreichs Jahrhundertfußballer Herbert Prohaska zu den Wiener Veilchen.

Auch im Fußball wurde Lopper immer wieder daran erinnert, dass in Wien der Antisemitismus nicht ausgestorben war, gerade wenn es gegen die »jĂŒdische« Austria ging: »Es hat mich oft berĂŒhrt, wenn es wĂ€hrend den Spielen antisemitische Äußerungen gab. Über das bin ich aber hinweg gekommen.« Lopper ist heute einer der letzten Zeugen dieser alten Austria, zu deren wichtigsten Mitgestaltern er fĂŒr viele Jahre zĂ€hlte.

Quelle: Ballesterer fm30 (Oktober 2007)


Bei Austria Wien
Von Bis Funktion
19561983KlubsekretÀr

 
 
 
Letztes Update am: 21.01.2017
 
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